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Deutsch · Klasse 5

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Ein Knoten im Bauch

Lies die Geschichte. Löse danach die Fragen – der Text bleibt für dich da.

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Die Geschichte8 Abschnitte · aufklappen / zuklappen

Manchmal ist der erste Schritt kleiner, als man denkt.

01 Montagabend

Auf Milas Schreibtisch lag das Matheheft. Am nächsten Morgen würde ihre Klasse die erste große Mathearbeit an der neuen Schule schreiben. Mila las dieselbe Aufgabe zum dritten Mal. Die Zahlen verschwammen zwar nicht wirklich, aber in ihrem Kopf wirbelte alles durcheinander. Ihr Bauch fühlte sich an, als hätte jemand einen festen Knoten hineingemacht. „Wenn ich morgen alles vergesse?“, dachte sie. „Vielleicht merken dann alle, dass ich gar nicht so gut bin.“ Dabei hatte sie am Nachmittag mehrere Aufgaben allein gelöst. Jetzt sah sie nur noch die eine, bei der sie nicht weitergekommen war.

02 Unter der Tür

Ihr älterer Bruder Jona klopfte und steckte den Kopf ins Zimmer. Mila schob das Heft unter ein Blatt Papier. „Ich bin fertig“, sagte sie schnell. Jona blieb an der Tür stehen. „Mit dem Lernen oder mit den Nerven?“ Normalerweise hätte Mila darüber gelacht. Heute starrte sie auf ihren Radiergummi. Schließlich sagte sie leise: „Du bist doch immer gut in Mathe. Du verstehst das nicht.“ Jona setzte sich neben sie. „Vor meiner letzten Englischarbeit habe ich meine Vokabelkarten dreimal sortiert, statt sie zu lesen. Ich hatte Angst, dass mein Kopf plötzlich leer ist.“ Mila sah auf. Das hatte er noch nie erzählt.

03 Ein kleiner Plan

„Wir können nicht versprechen, dass morgen alles leicht wird“, sagte Jona. „Aber wir können überlegen, was du jetzt brauchst.“ Mila zeigte ihm die schwierige Aufgabe. Jona rechnete sie nicht für sie aus. Er fragte: „Was ist gegeben? Was sollst du herausfinden?“ Mila unterstrich zwei Zahlen und erklärte ihren ersten Rechenschritt. Dabei entdeckte sie selbst ihren Fehler. Danach wählten sie noch zwei ähnliche Aufgaben aus. Als Mila beide gelöst hatte, wollte sie die ganze Seite von vorn anfangen. Jona deutete auf die Uhr. Sie vereinbarten eine Pause und packten anschließend gemeinsam ihre Schultasche. Mila legte das Heft zu. Unsicher war sie noch, aber nicht mehr ganz so allein.

04 Vor dem Klassenraum

Am Dienstag wartete Milas Freundin Nele vor der Tür. „Ich habe bestimmt alles falsch gelernt“, flüsterte Nele. Mila wollte schon sagen: „Ach, du schaffst das locker!“ Dann erinnerte sie sich daran, wie wenig ihr selbst solche Sätze geholfen hatten. Stattdessen sagte sie: „Ich bin auch aufgeregt.“ Nele atmete hörbar aus. Gemeinsam gingen sie hinein. Auf Milas Tisch lag ein kleiner Zettel, den sie am Abend selbst geschrieben hatte: „Lesen. Einen Schritt finden. Anfangen.“ Bevor die Arbeit begann, steckte sie ihn in ihre Tasche. Er war eine Erinnerung für sie, kein erlaubtes Hilfsmittel für die Arbeit.

05 Das leere Feld

Frau Berger teilte die Blätter aus. „Lest die Aufgaben sorgfältig. Ihr dürft selbst entscheiden, womit ihr beginnt“, sagte sie. Bei der ersten Aufgabe stockte Mila sofort. Ihre Hände wurden feucht. Für einen Moment hörte sie nur das Kratzen der Stifte um sich herum. Dann stellte sie beide Füße auf den Boden und atmete langsam aus. Sie überflog die nächste Aufgabe. Die sah aus wie eine, die sie gestern gelöst hatte. Mila begann dort. Nach einigen Minuten stand auf ihrem Blatt mehr als nur ihr Name. Die erste Aufgabe ließ sie zunächst frei und markierte sie mit einem kleinen Stern, damit sie später daran dachte.

06 Eine Frage stellen

Weiter unten verstand Mila das Wort „begründe“ nicht sicher. Sie hob die Hand. Frau Berger kam zu ihr und erklärte leise: „Du sollst aufschreiben, warum dein Rechenweg passt. Das Ergebnis allein reicht hier nicht.“ Die Rechnung verriet sie nicht. Mila schrieb eine Erklärung zu ihrem Ergebnis. Kurz vor Schluss kehrte sie zu ihrem Stern zurück. Nun fand sie einen Anfang für die erste Aufgabe. Ob jeder Rechenschritt stimmte, wusste sie nicht. Als Frau Berger die Blätter einsammelte, war der Knoten in Milas Bauch noch da. Er fühlte sich aber lockerer an.

07 Auf dem Schulhof

In der Pause verglichen einige Kinder ihre Ergebnisse. Mila merkte, wie sie wieder unruhig wurde. „Ich möchte gerade lieber über etwas anderes reden“, sagte sie zu Nele. Sie gingen zum Tischtennistisch. „Und? War alles einfach?“, fragte Nele unterwegs. Mila schüttelte den Kopf. „Nein. Aber ich habe angefangen, obwohl ich Angst hatte.“ Ihre Note kannte sie noch nicht. Trotzdem war sie auf diesen einen Satz ein bisschen stolz. Am Nachmittag erzählte sie Jona nicht zuerst von der schwierigen Rechnung, sondern von dem kleinen Stern auf ihrem Blatt.

08 Für das nächste Mal

Ein paar Tage später gab Frau Berger die Arbeiten zurück. Mila hatte nicht alles richtig, aber mehr geschafft, als sie am Montagabend erwartet hatte. Sie schaute sich ihre Fehler an und schrieb eine Frage für die nächste Stunde auf. Auf die Rückseite ihres Erinnerungszettels notierte sie: „Früher mit kleinen Portionen üben. Fragen stellen. Mit einer lösbaren Aufgabe beginnen.“ Mila wusste, dass sie vor der nächsten Arbeit wieder aufgeregt sein könnte. Wenn die Angst sie länger stark belasten würde, wollte sie mit Frau Berger oder ihren Eltern sprechen. Der Zettel war kein Zaubermittel. Aber er erinnerte sie daran, dass sie etwas tun konnte und Unterstützung bekommen durfte.

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